Vom dösenden Paco und armen Hunden
Adventsmarkt: Hans-Werner Meinberg stellt im
Holzfasskeller der Winzergenossenschaft aus

Im Holzfasskeller der Bergsträßer Winzer eG
waren am Wochenende zwanzig Werke des
Heppenheimer Künstlers Hans-Werner Meinberg
zu sehen. Foto: Karl-Heinz Köppner
Öl und Acryl auf Leinwand ist die Technik, mit der es Hans-Werner Meinberg in der Kunstszene zu Ansehen gebracht hat. Seine großformatigen Bilder lassen viel Raum zur Interpretation, fordern gelegentlich auch Widerspruch heraus – was durchaus so gewollt ist. Zwanzig Werke des in Heppenheim geborenen und noch wohnenden Kunsterziehers konnten am Wochenende beim Adventsmarkt im Holzfasskeller der Bergsträßer Winzer eG (BWG) begutachtet werden.
Der Vernissage, mit der die Traditionsveranstaltung eröffnet wurde, wohnten zahlreiche Persönlichkeiten bei, allen voran Bürgermeister Rainer Burelbach, Stadtverordnetenvorsteher Horst Wondrejz und Kreisbeigeordneter Philipp-Otto Vock (alle CDU). Prominentester Repräsentant der gastgebenden Winzer war die Bergsträßer Weinkönigin Melanie I. Musikalisch untermalt wurde die Feierstunde vom Business Jazz Trio.
Hans-Werner Meinberg liebt kräftige Farben, die – wenn man so will – den kraftvollen Aussagen seiner Bilder angemessen sind. Beispielhaft dafür steht das Gemälde „Paco im Park“, das am Fuße des Heppenheimer Ehrenmals für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 neben dem vom Sockel gefallenen Siegesengel einen vor sich hindösenden Hund zeigt.
Das Bild vermittelt: Paco, so der Name des Vierbeiners, zeigt sich unbeeindruckt vom Zerfall des Denkmals. Will Meinberg damit sagen, dass die Soldaten vor allem zu Opfern einer aggressiven Politik geworden sind? Der schlummernde Paco befände sich insofern in bester Gesellschaft, als entgegen früherer Empfindungen die meisten Menschen davon abgerückt sind, in Kriegsschauplätzen „Felder der Ehre“ zu sehen, auf denen vaterländische Interessen verteidigt werden. Den Heldentod hat es fürwahr noch nie gegeben. Die Opfer waren eher – Paco lässt grüßen – „arme Hunde“, um deren Witwen und Vollwaisen sich nach 1870/71 kaum jemand kümmerte.
Hans-Werner Meinberg greift in vielen seiner Bilder Zitate anderer Künstler auf und verknüpft sie mit eigenen Heppenheimer Perspektiven. Dem möglichen Vorwurf von Plagiaten begegnete er in seiner von humorvollem Esprit sprühenden Einführungsrede mit der Souveränität eines Kunstschaffenden, der von sich überzeugt ist.
Dass er sich bei der bildlich dargestellten Verpackung des historischen Heppenheimer Rathauses von Christo hat inspirieren lassen, hält er dabei für durchaus legitim. Von einem Abklatsch des verhüllten Reichstags zu sprechen, wäre indes unkorrekt. Meinberg hat seine unverkennbar eigene Handschrift.
Arbeiten seiner neuen Reihe „Götterdämmerung“ sind momentan im Entstehen und werden 2013 im Centre Mondial de la Paix in Verdun zu sehen sein – eine nur von vielen anderen Städten, in denen Meinberg bisher ausgestellt hat.
Ein echter Meinberg hat natürlich seinen Preis. Wer sich für das Bild „Et in Arcadia ego“ interessiert, muss 7500 Euro hinblättern. 6000 Euro kostet sein „Paco“ und 5000 Euro das Gemälde „Heppenheim für Sonntagsmaler“. Der „Blick auf die Starkenburg“ ist für 4000 Euro zu haben. Für das günstigste Exponat, das unter dem Titel „Heppenheim zur Zeit der Kopffüßler“ firmiert, sind immerhin noch 1800 Euro fällig. Qualität hat ihren Preis.
